lundi 1 juillet 2013

Colloque « L’abeille, indicateur des écosystèmes »

Am 6. Juni 2013 hatte ich die Gelegenheit im Naturhistorischen Museum von Brüssel an einer hoch interessanten Veranstaltung der Vereinigung NATURE & PROGRES Belgien teilzunehmen zu können. Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen des „Plan abeilles », welcher von der belgischen Regierung ins Leben gerufen wurde, um den alljährlichen hohen Bienenverlusten in Belgien entgegen zu wirken. Der Plan beinhaltet 29 Maßnahmen in Bereichen wie Analysen, Risikobewertungen gegenüber systemischen Insektiziden, Sensibilisierungsaktionen von Konsumenten und Landwirten usw. Die Unterstützung der Regierung wurde hervorgehoben durch die Präsenz von Melchior Wathelet, Staatssekretär für Umwelt.

Der erste Vortrag von Denis Michez vom Laboratoire de zoologie der Universität von Mons, handelte von den Solitärbienen. Bei vielen Solitärbienen wird seit den 50er Jahren ein bedenklicher Rückgang festgestellt. Rund 100 der 380 Solitärbienen- und Hummelarten stehen mittlerweile auf der roten Liste. Weil Solitärbienen oder Hummeln kein Parasitenproblem wie die Varroose kennen, muss der Rückgang notwendigerweise auf andere Faktoren zurückzuführen sein. Eine der Hauptursachen liegt beim Verlust der Biodiversität. Hier wird untersucht wie die Biodiversität auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen gefördert werden kann („Biodiversifier les agro-éco-systèmes“), z.B durch die Förderung des Anbaus von Leguminosen als Viehfutter und  Lebensgrundlage für viele bestäubenden Insekten.
Die Arbeiten von Denis Michez finden übrigens im Rahmen des EU Projektes STEP statt, Programm bei welchem 17 EU Ländern (Luxemburg ist leider nicht vertreten) mitmachen (http://www.step-project.net)

Monique L’Hostis vom Centre Vétérinaire de la Faune Sauvage et des Ecosystèmes des Pays de la Loire referierte über die Rückstände in Honigbienen und Bienenprodukten, sowie über die Pathogene wie Bakterien und Viren. Die Studie wurde auf 18 Bienenständen im Nordwesten Frankreichs durchgeführt. Analysen zeigen dass Honigbienen überall den Umweltgiften ausgesetzt sind, ob in der Stadt, auf dem Land und sogar auf Inseln. Die meisten Pathogene können sowohl in gesunden als auch in kranken Völkern nachgewiesen werden, unabhängig von Verlustraten.
36 verschiedene Moleküle, welche im Bereich Pflanzenschutz und als Tierarznei verwendet werden, konnten entweder im Pollen, Honig oder Bienen nachgewiesen werden. Zusammen mit Varroa, Virusbefall und andere Stressfaktoren ergeben sich mit Sicherheit schädliche Synergie-Effekte.
Die Studie zeigt auch, dass die erfahrenen Imker die wenigsten Verluste haben. Ausschlaggebend dafür seien eine genaue Kontrolle des Varroabefalls und der Austausch von Königinnen, notwendige Maßnahmen in Zeiten von zusätzlichem Druck durch äußere Faktoren wie Pestizide und anderen Umweltgiften. Frau L’Hostis wies auch auf die Notwendigkeit hin, dass die Methoden zur Erfassung der Bienenvölker und –Verluste sich EU weit unbedingt nach den Standards des von COLOSS verfassten BEEBOOKs durchgeführt werden müssten, um vergleichbare Daten aus allen Ländern zu erhalten (http://www.coloss.org/beebook).

Am Nachmittag referierte Dr. Jean-Marc Bonmatin vom CNRS Orléans über die Toxizitätsanalysen. Er erinnerte daran, dass die hohen Verluste ein weltweites Phänomen sind. Eine der Hauptursachen sind die neonikotinoiden Insektizide. 1990 noch nicht eingesetzt, machten diese im Jahr 2008 schon fast 30% vom Umsatz aus (6,33 Mia. Euro).
Die Rückstandsanalysen sind heute so verfeinert dass man sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen finden kann. Zu den Neonikotinoiden ist Dr. Bonmatin formell: Es sind dies sehr stabile Moleküle, welche sehr zuverlässig gefunden werden können, mit der Bedingung dass das jeweilige Labor über den neuesten Stand der Technik verfügt. Nachweisbar sind Neonikotinoide heute in Konzentrationen von 0,01-0,05 ppb, quantifizierbar bei 1 ppb. Dieses hohe Niveau ist auch notwendig, denn bei Honigbienen sind subletale Effekte schon bei weniger als 0,1 ppb nachgewiesen.
Pollen aus Bienenfluchten ist laut Dr. Bonmatin die beste Quelle um Rückstände zu finden. Wichtig bei der Probennahme ist unbedingt das sofortige Einfrieren der Probe (ob Bienen oder Pollen). Im gefrorenen Zustand sind diese Moleküle äußerst stabil. Interessant ist hier auch der Hinweis auf die Internetseite http://www.itsap.asso.fr/index.php. Hier findet man u.A. eine Liste von Labors für Rückstandsanalysen mit deren technischen Möglichkeiten. Nicht jedes Labor ist nämlich auf dem letzten Stand der Technik!
D. Bonmatin erinnerte aber auch daran, dass Varroabehandlungsmittel wie AMITRAZ (Apivar©) oder TAU-FLUVALINAT (Apistan©) auch für Bienen eine gewisse Toxizität aufweisen!

Die Erfahrungen vom CNRS zeigen dass Rückstände von Neonikotinoiden zum Teil nur während sehr kurzen Perioden von 1-2 Monaten nachgewiesen werden, nämlich dann wenn die Bienen damit in Kontakt kommen. Über das Jahr verteilt können dies also mehrere Wirkstoffe sein.
Die letzte Aussage von Dr. Bonmatin war unmissverständlich: Die Bienenverluste haben sicher viele Ursachen. Eine wesentliche und nachgewiesene Ursache sei einfach abzustellen, nämlich durch ein generelles Verbot der Neonikotinoide. "Pestizide sind heute einer der Hauptstressfaktoren der Bienen. Die Belastung der Bienenvölker mit einer Vielfalt von chemischen Substanzen hat mit Sicherheit eine Schwächung der Abwehrkräfte des Bienenvolks zur Folge. Der Impakt von Varroa, Nosema und Viren wird dadurch verstärkt."

Cyril Vidau, vom ITSAP-Institut de l’abeille, referierte über die Gesundheitsindikatoren bei Bienenvölkern und über Verfahren zur Diagnose von Bienenkrankheiten. Als Imker können wir die Futterreserven, die Anzahl der Bienen und das Aussehen des Brutnestes einfach beurteilen. Der Ursache eines schwächelnden Bienenvolkes auf die Spur zu kommen ist aber wesentlich komplizierter, weil viele Faktoren eine Rolle spielen: Parasiten, Viren und Bakterien, Vergiftungen, Futtermangel, Wetter, genetische Eigenschaften der Königin usw.
Großen Einfluss haben dabei die Zusammenwirken von mehreren Faktoren. Als Synergie bezeichnet man dabei den Mechanismus durch welchen die gemeinsame Wirkung von mehreren Faktoren grösser ist als die Summe der Wirkung einzelner Faktoren. Beispiele sind z.B. das Zusammenspiel von Nosema und Neonikotinoiden.
Länderübergreifende Monitoringnetzwerke existieren bereits, wobei Cyril Vidau, wie Monique L’Horitis auf die Wichtigkeit von vergleichenden Methoden hinwies.

Als letzter Redner analysiert Laura Maxim über die Entscheidungsfindung der Politiker im Bereich Neonikotinoide. Als Beispiel dienten die Entscheidungen der französischen Regierung. Interessantes Beispiel war das Verbot von Imidacloprid bei Sonnenblumen und beim Mais. Obwohl die Beweislage für die Risiken von Imidacloprid beim Mais besser war als die Risiken bei Sonnenblumen, lies das Verbot beim Mais 4 weitere Jahre auf sich warten. Der finanzielle Impakt für die Firma Bayer war beim Mais aber 2,5x höher.
Dass dies bei der Entscheidungsfindung des französischen Landwirtschaftsministeriums eine Rolle gespielt haben dürfte, liest sich aus einer sehr interessanten Analyse der Meinungen der implizierten Parteien: Die Meinungen der Wissenschaftler, welche die verfeinerten Rückstandsanalysen ausarbeiteten und durchführten, sowie die der Imker deckten sich größtenteils. Andererseits waren Ministerium und die Hersteller von Saatgutbeizen oft einer Meinung.
Die von der Agrarindustrie immer wieder vorgebrachten Befürchtungen über Ernteausfälle wegen des Anwendungsverbots von Neonikotinoiden beim Mais konnten bisher nicht festgestellt werden.
Auch Laura Maxim wies darauf hin, dass eine standardisierte Erfassung der Völkerverluste europaweit von Nöten sei. Nur so könnte man die kontroversen Diskussionen über die reellen Verluste abstellen.

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